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Traditionelles Eierlesen in Kiebingen

Eierlesen2014-01 Wettkampf zwischen Eierleser und Läufer: 96 rohe Eier werden in einem Abstand von jeweils 85 cm ausgelegt und vom Eierleser in den Weidenkorb des Fängers geworfen. Der Läufer muss 6,3 km laufen, die Strecke, die auch der Eierleser zurücklegt. Der Schnellste gewinnt. So einfach stellen sich die Regeln dar!

2022 treten die Jahrgänge r Jahrgang 2002/2003 gegeneinander an. Auf dem Sportgelände neben der Sülchgauhalle.

 

Logo-Kiebingen

Beim Eierlesen handelt es sich um einen Wettkampf zwischen zwei Jahrgängen. Es werden Eierleser und Fänger aus deEierlesen2014-02m älteren und der Läufer aus dem jüngeren Jahrgang gewählt. Am Ostermontag ziehen die stellvertretend ausgewählten Wettkämpfer im Kreise ihrer Jahrgänger und Jahrgängerinnen, mit Musik zum Wettkampfplatz. Dort sind bereits alle Vorbereitungen getroffen. Der jüngere Jahrgang, gekennzeichnet durch ein grünes und der ältere Jahrgang, gekennzeichnet durch ein rotes Schulterband, stehen sich für die Dauer des Wettkampfes als konkurrierende Parteien gegenüber.
Vor dem Start überprüfen Eierleser, Fänger und Läufer, ob die 96 rohen Eier in der richtigen Entfernung von 85 cm ausgelegt sind. Mit dem Startschuss begeben sie sich dann an ihre unterschiedlichen Laufaufgaben. In Kiebingen erlauben es die Spielregeln dem Eierleser, dass er in fünf Läufen jeweils zwei Eier gleichzeitig aufheben darf, dann muss er jedoch jedes Ei einzeln aufnehmen. Der Fänger steht zwölf Meter vom ersten Ei der Reihe entfernt in einem viermal vier Meter großen gekennzeichneten Quadrat. Innerhalb dieses Aktionsraumes versucht er, die ihm vom Eierleser zugeworfenen Eier in einem mit Spreu gefülltem Korb zu fangen. Tritt der Fänger mit beiden Füßen aus dem Quadrat, wird der Wurf als Fehlwurf gezählt.
Dem Kiebinger Eierleser sind 12 Fehlwürfe erlaubt. Während also auf dem Wettkampfplatz so manches Ei nicht ganz unabsichtlich in dem Korb landet, begibt sich der Läufer nach Rottenburg, um ein Päckchen abzuholen. Damit dem ordnungsgemäßen Ablauf des Wettstreites nichts im Wege steht, wird der Läufer durch einen mitfahrenden Radfahrer kontrolliert. Die Entfernung belief sich 2012 auf 6,3 km.
Wenn aber der zurückeilende Läufer vom Kiebinger Spielgeschehen aus zu sehen ist, dann erst kommt der Wettkampf in seine spannendste Phase. Eierleser und Läufer geben ihr Letztes, um den Sieg für ihre Partei zu erringen. Und wie es bei Wettspielen nun einmal so üblich ist, gebührt mal dem Eierleser, mal dem Läufer die Siegestrophäe, eine geschmückte Tanne.

 

Ortsgeschichte

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Die erste urkundliche Erwähnung ist datiert um 1204 im Württembergisches Urkundenbuch. Um das Jahr 1200 wurde Kiebingen als “Cubingen” das erste Mal urkundlich erwähnt. Diese Erwähnung findet sich in einem Güterverzeichnis “Verzeichnis der von dem Stifter des Klosters Bebenhausen, Pfalzgrafen Rudolf an dasselbe geschenkten oder von anderen, teils ebenfalls geschenkten, teils käuflich überlassenen Besitzungen und Güter” des Klosters Bebenhausen, das Ohne Zeitangabe ist. Diese steht jedoch im Zusammenhang mit einem Pästlichen Schutzprivileg von Pabst Innozenz III vom 18, Mai 1204.

Kiebingen ist natürlich jedoch viel älter. Im Bereich des Ortsteils “Auf dem Rain” gab es bereits um 600 n. Chr. eine dorfähnliche Siedlung mit etwa 115 Einwohnern. Sie waren Alemannen, die um diese Zeit aus dem oberen Maingebiet in unsere Heimat eindrangen. Dies ergibt sich aus den Ausgrabungen eines Gräberfeldes im Gewand Hofstatt. Dies leitet sich auch aus dem Ortsnamen mit der Endsilbe “ingen” ab; der Urkiebinger könnte also ein Stammesoberer mit dem Name “Chubo” gewesen sein. In der Hofstatt enden die Bestattungen allerdings um das Jahr 750. Es spricht wenig dafür, dass diese Ansiedlung aufgegeben wurde. Wahrscheinlicher handelt es sich um die Zeit wo die Christianisierung hier abgeschlossen war. Vielleicht gab es dann hier bereits eine kleine Kapelle (über die es keinen urkundlichen Nachweis gibt) und man hat seine Toten um diese herum bestattet. Da die Gräber dann immer wieder neu belegt wurden, konnten aus dieser Zeit auch im Boden keine Nachweise gefunden werden.

Vom Kloster Rohrhalden, das Kiebingen einst prägte und das 1786 unter Prior Bernhard Adist aufgehoben wurde, ist nur auf einer Rammert-Karte von 1753 etwas zu entdecken.

Die Kiebinger Filialkirche der Mutterpfarrei Sülchen wird 1312 ermals genannt. Eine 1392 gestiftete Kaplanei wurde 1471 diesem Kloster Rohrhalden geschenkt, deren Patres den Ort jahrhundertelan seelsorgerisch betreuten. Das im Rammert südlich der Ortschaft Kiebingen gelegene Kloster wurde vor 1342 als Einsiedelei gegründet, 1358 kam es an die Ungarischen Pauliner, an den Orden des hl. Paul, des ersten Einsiedlers.

Luftbild Kiebingen 1979

Luftbild Kiebingen 1979

Seit 1861 ist der Ort Station der Bahnlinie Tübingen-Rottenburg. 1903 wurde das Wasserkraftwerk am Neckar errichtet.

Sonst aber ist der heutige Rottenburger Stadtteil an Traditionen, vor allem im Brauchtum, überaus reich. Nur ein Beispiel: Bloß hier hat sich im Landkreis Tübingen das in zweijährigem Turnus veranstaltete österliche Eierlesen erhalten. Die Neunzehn- und Zwanzigjährigen haben je 96 Eier von einer Wiese zu sammeln und in den Korb eines “Auftängers” zu werfen. Währenddessen läuft ein Vertreter des “gegnerischen” Jahrgangs nach Rottenburg, um in einem bestimmten Haus ein “Päckchen” abzuholen. Wer von den Wettkämpfern zuerst eine auf der Wiese aufgestellte, mit Geschenken behängte Tanne erreicht, hat für seinen Jahrgang den Sieg erfochten.

Das Schauspiel lockt jedes mal Tausende von Zuschauern an – ein anderes, das die Sage boshafter weise den Kiebingern andichtet, hätte wohl noch mehr gelockt:
Da sah eines Abends ein Kiebinger Bauer den Vollmond im Neckar, lief eilends in den Flecken und trommelte etliche Mitbürger zusammen: man könne sich den guten alten Mond an Land ziehen. Ein ganzer Trupp Kiebinger zog daraufhin mit einem Netz ans Flußufer, und der Entdecker des Fundes warf’s aus, versuchte, den Mond herauszuziehen, doch der schlüpfte zum Unverständnis der Zuschauer immer wieder aus den Maschen. Gleichwohl soll der Vorgang die Kiebinger auf den Mond besonders scharf gemacht haben. Ein anderes mal versuchten sie nämlich, den Erdtrabanten im Schweinestall einzufangen und festzuhalten. Natürlich gelang auch das nicht, und die Mondsüchtigen fühlten sich von ihrer Jagdbeute auch noch gefoppt: Soott sie nämlich die Stalltüre schlossen, saß der Mond wie zum Possen wieder “drin”, wollte sich dennoch nicht festhalten lassen. Aber der Mond hätte sich doch zu gut als Kiebinger Dorfbesitz gemacht, und so versuchten sie es denn ein drittesmal. Diesmal wollten sie ihn mit einer langen Stange vom Himmel herunter stoßen wie einen Apfel vom Baum. Nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen dämmerte es ihnen, dass die Stange wohl nicht lang genug wäre und dass man sie “strecken” müsste, um an die Beute heranzukommen.

Doch, wie das so ist, heißen die Kiebinger seither bei denen, die sie frotzeln wollen, “Mondfanger” und “Stangenstrecker”. Was sie nicht verdient haben, aber als Bewohner eines Ortes mit soviel stolzen Brauchtumstraditionen mit Stolz überhören.

Quelle: Ortsbeschreibung Kreis Tübingen

Eierlesen in Kiebingen

Das nächste Eierlesen in Kiebingen ist im Jahr 2022!

Die Kiebinger Eierleser-Tradition!

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Die 19 und 20jährigen Kiebinger (ehemals Rekrutenjahrgänge) halten den schönen Osterbrauch des Eierlesens aufrecht. Dazu gehört jedoch nicht nur das Fest am Ostermontag, welches immer in geraden Jahren im Wechsel mit dem Wurmlinger Pfingstritt abgehalten wird, sondern auch viel Vorbereitungszeit.

Bereits im Sommer vorher wurde von den vorherigen Eierlesern die Tradition in einer Vollversammlung an die jetzigen Eierleser übergeben. Durch Wahlen wurden Vorstand und Ausschuss bestimmt.

Um die Kameradschaft zu vertiefen organisiert man oftmals bereits im Vorfeld eine Tanzveranstaltung und auch während der Fasnetszeit baut man unter einem gemeinsamen Motto einen Umzugswagen und präsentiert diesen beim eigenen Fasnetsumzug am Fasnetsdienstag. Auch die alljährliche danach stattfindende Fasnetspredigt am Kiebinger Rädlesbrunnen wird von allen Kiebingern immer heiß erwartet. Dafür horcht sich der ganze Jahrgang im Dorf um, was sich letztes Jahr an lustigen Dingen so alles abgespielt hat. In Versform wird dann über die Mißgeschicke berichtet.

Nach der Fasnetszeit geht es zum Endspurt der Vorbereitungen für das große »Eierleser«-Fest am Ostermontag. Ausschuss und Vorstand planen die letzten Einzelheiten. Das Festprogramm wurde festgelegt und für das leibliche Wohl unserer Gäste während der Festtage muss gesorgt werden. Ggf. wird ein Festzeit wird von den Jahrgängern und vielen Helfern aus Familien- und Freundeskreisen aufgestellt oder man nutzt hierzu die Kiebinger Sülchgauhalle

Bereits bei den ersten Versammlungen des Jahrganges werden die Wettkämpfer bestimmt. Der jüngere Jahrgang wählt seinen Eierleser und Auffänger und der ältere Jahrgang den Läufer. Es wurden natürlich bei beiden Jahrgängen die besten Sportler bevorzugt, die durch zusätzliches Training ihre Leistungen noch verbessern können. Es gilt die Zeiten der Vorgänger einzuhalten oder vielleicht noch bessere Zeiten zu erreichen.

 

Wettkampf zweier Jahrgänge

In Kiebingen, wo die 19- und 20jährigen des Ortes alle zwei Jahre das Eierlesen ausrichten, da werden Eierleser und Fänger aus dem älteren und der Läufer aus dem jüngeren Jahrgang durch vorheriges Training ermittelt. Am traditionellen Termin – nämlich dem Ostermontag – ziehen die stellvertretend ausgewählten Wettkämpfer im Kreise ihrer Jahrgänger und Jahrgängerinnen, mit Musik zum Wettkampfplatz beim Neckar. Dort sind bereits alle Vorbereitungen getroffen. Der jüngere Jahrgang, gekennzeichnet durch ein grünes und der ältere Jahrgang, gekennzeichnet durch ein rotes Schulterband, stehen sich für die Dauer des Wettkampfes als konkurrierende Parteien gegenüber.

Vor dem Start überprüfen Eierleser, Fänger und Läufer, ob die 96 rohen Eier in der richtigen Entfernung von 85 cm ausgelegt sind. Mit dem Startschuss begeben sie sich dann an ihre unterschiedlichen Laufaufgaben. In Kiebingen erlauben es die Spielregeln dem Eierleser, dass er in fünf Läufen jeweils zwei Eier gleichzeitig aufheben darf, dann muss er jedoch jedes Ei einzeln aufnehmen. Der Fänger steht zwölf Meter vom ersten Ei der Reihe entfernt in einem vier mal vier Meter großen gekennzeichneten Quadrat. Innerhalb dieses Aktionsraumes versucht er, die ihm vom Eierleser zugeworfenen Eier in einer spreugefüllten Wanne zu fangen.

Dem Kiebinger Eierleser sind zwölf Fehlwürfe erlaubt. Während also auf dem Wettkampfplatz so manches Ei nicht ganz unabsichtlich in der Spreuwanne landet, begibt sich der Läufer nach Rottenburg, um im Hause Fischer ein Päckchen abzuholen. Damit dem ordnungsgemäßen Ablauf des Wettstreites nichts im Wege steht, wird der Läufer durch einen mitfahrenden Radfahrer kontrolliert.

Wenn aber der zurückeilende Läufer vom Kiebinger Spielgeschehen aus zu sehen ist, dann erst kommt der Wettkampf in seine spannendste Phase. Eierleser und Läufer geben ihr Letztes, um den Sieg für ihre Partei zu erringen. Und wie es bei Wettspielen nun einmal so üblich ist, gebührt mal dem Eierleser, mal dem Läufer die Siegestrophäe, hier eine geschmückte Tanne.

Nach einer Erholungspause, deren Notwendigkeit die sportliche Ernsthaftigkeit des Wettkampfes unterstreicht, ziehen beide Parteien in der Regel zum aufgestellten Festzeit, wo der Ostermontag seit Jahrzehnten unter reger Anteilnahme der Kiebinger Bevölkerung bei Eierdotsch und Tanz in feuchtfröhlicher Form ausklingt.

Über die Entstehung dieses alten Volksbrauches fehlt jede schriftliche Überlieferung. Die Ältesten des Dorfes, die vor vielen Jahrzehnten das Spiel ebenfalls ausgetragen haben, wissen nur zu erzählen, dass es schon von ihren Vätern, Groß- und Urgroßvätern ausgeführt wurde.